Montevideo

Die Hauptstadt Uruguays Montevideo ist das Gegenstück zu ihrer 200 Kilometer weit entfernten argentinischen Schwester Buenos Aires. Die Fluten des Rio de la Plata trennen die beiden ungleichen Städte nicht nur räumlich voneinander. Während das Leben in Buenos Aires auf der Überholspur pulsiert, geht es in Montevideo eher beschaulicher zu.

Die Stadt zählt gerade einmal knapp anderthalb Millionen Einwohner, immerhin jedoch etwa die Hälfte der Bevölkerung des Landes.
Verglichen mit anderen internationalen Metropolen ist Montevideo eine noch junge Stadt. Gegründet wurde sie am Heiligen Abend 1726 auf Veranlassung des spanischen Königs, der seinem Vertreter in Buenos Aires den Befehl erteilte, an anderen Ufer des Rio de la Plata eine Stadt zu errichten. Siedler waren die erster, die die Stadt bevölkerten. Sie bekamen ein Stück Land und durften sich „Herr“ nennen. Seitdem stieg die Einwohnerzahl stetig an und die Stadt selbst mauserte sich zum kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Zentrum Uruguays.

Die Beschaulichkeit jedoch und der eigene, verlangsamte Rhythmus sind erhalten geblieben. Ein wohltuendes Pendant zur Hektik und dem Stress europäischer Lebensart. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum Montevideo von den Europäern geliebt wird.
Vom Tourismus weitestgehend noch unentdeckt platzt die Stadt nicht aus den Nähten. Fernab der aufgeblähten Wichtigkeit vieler Urlaubszentren genießt sie quer durch alle Bevölkerungsschichten den Luxus, den eigenen Strand direkt vor der Haustür zu haben. Was anderswo teuer bezahlt werden muss, bekommt man hier quasi mitgeliefert.

Die Architektur der Stadt ist nicht ganz stilsicher, dennoch oder gerade deshalb aber nicht weniger interessant.

Die Ciudad Vieja, die Altstadt von Montevideo, ist geprägt von vielen kleinen Gassen. Gebäude, die direkt aus dem Geschichtsbuch zu stammen scheinen, kleine Cafés und Geschäfte lohnen den Besuch allemal. Abends gehört dieses Viertel am Rio de la Plata zu den beliebtesten Ausgehvierteln. Die Livebands, die hier am Wochenende spielen, stören kaum einen Anwohner, da sich hier hauptsächlich Bürohäuser befinden.
Von hier aus ist es nicht weit bis zum Hafen, der strategisch so günstig liegt, dass er viele Jahre von Spaniern, Portugiesen und Engländern umkämpft wurde. Heute ist er der Hauptumschlagplatz des südamerikanischen Binnenmarktes.
Begibt man sich hinein in die ehemaligen Markthallen, kann man noch einiges vom Flair der Jahre spüren, als Uruguay ein blühendes Einwanderland war. Die gusseisernen Hallen beispielsweise wurden 1865 in Liverpool in Auftrag gegeben.

Hier haben sich Restaurants, Cafes und Bars niedergelassen und verbreiten ein Stück Lokalkolorit Montevideos. Die Grillfeuer sind am Glühen und alles, was das Rind zu bieten hat, wird auf den Rost gelegt.
Das Leben Montevideos findet man unter anderen auch in den traditionellen Confiterias, einer Mischung aus Kneipe, Restaurant und Bar. Sie sind faktisch an jeder Straßenecke zu finden und weit mehr als nur ein Ort, an dem man seine Mahlzeit einnehmen kann. Ob nur ein schneller Imbiss oder ein ausgedehntes Abendessen, einsamer Rentner oder Studentengruppen – hier trifft man sich hauptsächlich, um zu reden und soziale Kontakte zu pflegen.
Für Spaziergänger bietet Montevideo reichlich Raum und Gelegenheit. Kleine begrünte Plazas oder die Strandpromenade am Fluss, der hier allmählich in den Atlantik übergeht, laden zum Bummeln ein. Ebenso wie die Platanenalleen der Vorstädte, von denen aus man immer wieder einen Blick aufs Wasser hat.

Einiges an Sehenswertem hält die Stadt für ihre Gäste noch bereit. Zum Beispiel der Plaza Entrevero mit dem bemerkenswerten Unabhängigkeitsdenkmal oder das von einer Reiterstatue überdachte Artigas- Mausoleum, in dem die Gebeine der Freiheitshelden des Landes bestattet sind. Die historischen Bauten der Staatsbank und des früheren Rathauses befinden sich in der Altstadt. Anlässlich eines Papstbesuches wurde an einer Straßenkreuzung ein gigantisches Kreuz aufgestellt. Gegenüber dem Fußballstadion erinnert das Denkmal „La Carreta“ an die ersten Einwanderer.
Fußball ist überhaupt etwas sehr Wichtiges in Uruguay. Es wird als Massensport betrieben und die Fußballspiele gefeiert, als würde es sich ständig um Weltmeisterschaften handeln.

Und noch etwas ist aus Montevideo nicht wegzudenken. Der Karneval nämlich wird hier mit mindestens genauso viel Begeisterung gefeiert wie in Rio de Janeiro. Zwar geraten die Umzüge etwas kleiner, nichts desto Trotz sind sie aufwendig gestaltet und aufs Feiern versteht man sich in Montevideo allemal. Der Klang der Trommelwirbel, die bunten und wunderschönen Kostüme, die Tänzerinnen und die Rhythmen von Tango und Candombe ergeben eine Mischung, die keinen kalt lässt..

 
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